Qi Gong:

10 Minuten, die deinen Körper aus dem Alarmzustand holen

Kein Umziehen. Keine Matte. Kein Schwitzen. Und trotzdem merkst du es abends.

Wie sich das nach zehn Minuten anfühlt


  • Die Schultern sind unten, ohne dass du daran denken musst

  • Der Kopf ist leiser — das Gedankenkarussell hat eine Pause

  • Nacken und Rücken sind weicher

  • Du bist wach, aber nicht angespannt

  • Und abends fällt das Runterkommen leichter

Und was ist das jetzt genau?

Qi Gong kommt aus der Traditionellen Chinesischen Medizin und ist dort eine der fünf Säulen — neben Akupunktur, Ernährung, Heilkräutern und Massage. Es ist ein paar tausend Jahre alt.


In der Praxis ist es erstmal ziemlich unspektakulär: langsame, fließende Bewegungen, verbunden mit bewusster Atmung. Du stehst dabei meistens, du kommst nicht ins Schwitzen, und du brauchst keine Beweglichkeit mitzubringen.


Was dabei passiert, ist der eigentliche Punkt. Wenn dein Kopf ständig zwischen Todo-Liste und Sorgen hin- und herspringt, kommt dein Körper nicht zur Ruhe. Bei den Übungen bist du für ein paar Minuten nur bei einer Sache — bei der Bewegung und beim Atem. Das ist kein Zaubertrick. Das ist einfach die einzige Pause, die dein Nervensystem den ganzen Tag bekommt.

Muss ich daran glauben, damit es wirkt?

Nein. Und das meine ich ernst.


Du wirst im Zusammenhang mit Qi Gong viel von „Lebensenergie" lesen. Das ist der Begriff, mit dem in der chinesischen Medizin seit Jahrhunderten beschrieben wird, was da passiert. Du musst dich damit überhaupt nicht beschäftigen.


Was du machst, ist: dich langsam bewegen und bewusst atmen. Was dabei messbar passiert, ist, dass dein vegetatives Nervensystem vom Anspannungs- in den Erholungsmodus wechselt. Puls runter, Atmung tiefer, Muskelspannung weg.


Du musst also nichts annehmen. Du musst nur mitmachen. Wenn du nach zehn Minuten nichts merkst, war es nichts für dich — dann hast du zehn Minuten verloren und keine Überzeugung.

Warum das ausgerechnet beim Schlafen unterstützt

Wenn du seit Jahren unter Strom stehst, ist dein Körper abends zwar müde, aber innerlich noch komplett wach. Deshalb bringt „früher ins Bett gehen" auch nichts — du liegst dann eben länger wach.


Was fehlt, ist der Umschalter. Dein Körper braucht ein Signal, dass gerade keine Gefahr besteht. Und dieses Signal kannst du ihm nicht befehlen — aber du kannst es ihm über Bewegung und Atmung geben.


Genau das ist der Grund, warum ich mit Frauen ab 40 zuerst am Nervensystem arbeite und nicht an der Abendroutine.

Wie das bei mir abläuft

  • Dauer: Die einzelnen Übungen sind 5 bis 10 Minuten lang. Kein Programm, das du durchziehen musst.

  • Wo: Im Wohnzimmer, vor dem Bett, notfalls im Hotelzimmer. Du brauchst ungefähr einen Quadratmeter.

  • Was du anziehst: Was du gerade anhast. Bademantel geht auch.

  • Was du brauchst: Nichts. Keine Matte, keine Hilfsmittel, keine Vorkenntnisse.

  • Wie oft: Lieber jeden Tag fünf Minuten als einmal die Woche eine Stunde. Dein Nervensystem lernt über Wiederholung, nicht über Länge.

Häufige Fragen


Was bringt Qi Gong überhaupt?

Am deutlichsten merken die meisten es bei Anspannung, Schlaf und Stimmung. Verspannungen in Nacken und Schultern lassen nach, das Einschlafen fällt leichter, und man reagiert im Alltag weniger dünnhäutig. Es ist kein Wundermittel und ersetzt keine ärztliche Behandlung — aber es ist eines der wenigen Dinge, die man auch dann noch schafft, wenn man erschöpft ist.


Was ist der Unterschied zwischen Qi Gong und Yoga?

Yoga arbeitet stärker mit gehaltenen Positionen und Dehnung, Qi Gong mit fließenden Bewegungen im Stehen. Für Qi Gong brauchst du keine Beweglichkeit und musst nicht auf den Boden. Deshalb funktioniert es auch dann, wenn Gelenke oder Rücken gerade zicken.


Und Tai Chi?

Verwandt, aber länger und komplexer. Tai-Chi-Formen dauern oft zwanzig Minuten und man lernt sie über Monate. Qi-Gong-Übungen sind einzeln, kurz und man kann sie nach einmal Zuschauen.


Bin ich mit 50 zu alt dafür?

Nein, im Gegenteil — es ist eine der wenigen Bewegungsformen, die mit dem Alter eher besser passen als schlechter. Es gibt keine Sprünge, kein Tempo und nichts, wobei man sich etwas reißen könnte.


Muss ich sportlich oder beweglich sein?

Nein. Wenn du stehen kannst, kannst du Qi Gong. Und wenn Stehen gerade schwierig ist, geht vieles auch im Sitzen.


Wie schnell merke ich was?

Die Entspannung direkt nach der Übung meist beim ersten Mal. Beim Schlaf dauert es länger — die meisten Frauen berichten nach zwei bis drei Wochen von den ersten Veränderungen.

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„.“Man kann den Menschen nichts beibringen.
Man kann ihnen nur helfen, es in sich selbst zu entdecken.

Galileo Galilei